Der erste Tag nach der Landung begann gleich mit etwas Aufregung. Der Blick aus dem Fenster versprach nichts Gutes. Dunkelgraue Wolken bedeckten den Himmel, jederzeit konnte es zu regnen beginnen. Also nichts wie rauf zum Ballon und schnellstens zudecken! Leider kamen wir nicht soweit, am Weg begann es heftigst zu regnen. Wir deckten den Korb mit einer Plane ab, der Hülle war es egal. Gut dass wir die ganzen Gerätschaften gleich nach der Landung noch herausgeräumt und mitgenommen hatten.
Danach war trockenlegen und frühstücken angesagt. Der Regen war zwar ziemlich heftig, aber genauso kurz. Außerdem blies die ganze Zeit starker Wind. Darum begannen wir noch am Vormittag mit der Ballonpost, Gerald und Michael machten sich auf den Weg und versuchten Briefmarken zu kaufen. Zu Mittag schien auch wieder die Sonne und so machten wir uns wieder einmal auf den Weg zum Ballon. Und jetzt konnten wir auch die schöne Aussicht von dem Hügel genießen. Nicht umsonst heißt die Ortschaft dir Bellavista. Auf der Hülle hatten sich große Pfützen gebildet, die Sachen im Korb sind trocken geblieben. Also musste zuerst das Wasser runter und die Hülle zum Trocknen ausgebreitet werden. Dann wurde der Korb ausgeräumt, die restlichen Sandsäcke ausgeleert und zum Trocknen in den Wind gehängt. Auch die restliche Verpflegung wurde dann zu Mittag aufgetischt. Zwischendurch wurde immer wieder die Ballonhülle umgelegt, damit sie möglichst gut trocknen kann. Und ständig hatten wir einen „Aufpasser“, der Schäferhund der Familie, bei der wir am Vorabend eingeladen waren. Am liebsten war ihm, wenn er einen Stein apportieren durfte. Nach gut drei Stunden war alles eingepackt, die Hülle zusammengelegt und verschnürt. So konnten wir uns wieder der Ballonpost widmen. 380 Postkarten mussten mit den Fahrtdaten gestempelt und mit Adressetiketten beklebt werden. Gerald und Michael starteten einen zweiter Versuch, Briefmarken zu kaufen und waren diesmal erfolgreich. Bis schließlich alles soweit erlegt und das Auto eingeräumt war, war der Tag auch schon fast wieder vorbei. Für den Abend war bereits ein Tisch in einem Restaurant am Strand reserviert. So ließen wir unsere Zeit in Italien köstlich ausklingen. Die Abfahrt stand kurz bevor. Im Quartier machten wir noch ein Bier auf, es sollte zeitig in der Früh wieder nach Hause gehen.

alle Bilder © pomst.com, 2014

Am Morgen ging’s weiter von Avignon. Der Ballon war mittlerweile über dem Mittelmeer Richtung Korsika unterwegs. Das Feld der restlichen Ballone hat sich aufgeteilt in zwei Gruppen. Eine nördlichere, bei der wir dabei waren und die über Korsika in der Gegend um Rom nach Italien kommen könnte und eine südlichere, die es über einen weiten Bogen über Sardinien nach Sizilien oder Süditalien schaffen sollten.

Auf der Straße führen wir die Mittelmeerküste entlang: St. Tropez, Cannes, Nizza, Monaco, San Remo, Genua und Pisa bis wir am Abend schließlich in Civitavecchia angekommen sind. Das letzte Kreuzfahrtschiff hatte gerade den Hafen verlassen und fast alle Lokale waren geschlossen. Während wir auf der Suche nach Essbarem waren, wurde klar, dass Gerald und Thomas hier ganz in der Nähe landen wollen. Sie waren nur noch wenige Kilometer von der Küste entfernt und bereiteten sich schon auf die Landung vor.
Nachdem wir mit dem Essen fertig waren, positionierten wir uns schon mal südlich der Stadt. Auf dem Live-Tracking verfolgten wir die Landung und waren nach etwa 15 Minuten vor Ort. Es war schon finster, als sie auf einem Feld gelandet sind. Die Nachbaren waren auch gleich zur Stelle. Wir zogen es vor, ihre Einladung anzunehmen und ließen den Tag auf der Terrasse ausklingen. Den Ballon wollen wir morgen zusammenpacken.

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Der heutige Tag verlangte viele Entscheidungen. Die allererste noch im Bett: Sollen wir wirklich schon aufstehen? Bis nach dem Start alles zusammengeräumt war und wir im Hotel waren (und ich den Blog-Beitrag geschrieben habe), war es doch schon ziemlich spät und wir hatten nicht allzu viel Schlaf. Unser Ballon ist zwar wie erwartet nicht wirklich weit gekommen, aber es hätte ja auch anders kommen können und wir hätten gleich los müssen. Aber wir haben heute Zeit, viel Zeit.
Also erst einmal gemütlich frühstücken, in der Zwischenzeit Kontakt mit unserer Meteorologin und den Piloten, um die Taktik für den heutigen Tag abzustimmen. Es geht seeeeehr langsam in südliche Richtung. Da der Luftraum um Mailand untertags für Ballone eigentlich nicht zu durchqueren ist, wollen wir ihn südlich umfahren. Aber dazu müssen unsere Piloten den Ballon in die richtige Position bringen. Und damit sind sie den ganzen Tag beschäftigt. :-D
Und was machen wir am Boden die ganze Zeit? Wir verlassen Vichy in Richtung Lyon. Da wir da noch voller Hoffnung waren, heute Abend vielleicht schon eine Pizza in Italien genießen zu können. Aber schon bald war uns klar, dass aus dem Plan nichts wird. Wir schlagen unsere Kommandozentrale in St. Etienne beim McDonalds auf (Wifi sei dank!). Immer wieder schauen wir, wo die Ballone gerade sind, vergleichenHöhen, Geschwindigkeiten und Richtungen der anderen. Heraus kommt nicht viel. Bis auf zwei Teams dümpeln alle anderen schön langsam Richtung Süden dahin. Eine wirkliche Taktik lässt sich da bei niemanden herauslesen. Sind alle so ratlos wie wir oder führen die irgendwas im Schilde?
Zu Mittag bewegen wir uns wieder – hin zum Stadion, weil es dort einen großen Parkplatz gibt. Wir legen die Planen und Sandsäcke, die von letzter Nacht noch ganz nass waren, in die Sonne zum Trocknen. In der Zwischenzeit machen wir uns über unsere letzten Jausenreste her. Da danach noch immer nicht viel los war, fuhren wir wieder zurück in unsere Kommandozentrale. Wir bleiben bei unserer Taktik und wollen versuchen morgen nach Italien zu kommen. Wir wollen mit dem Auto bis Avignon fahren. Da wir dem Ballon aber doch ziemlich nahe sind, fahren wir einen kleinen Umweg – weil Zeit haben wir ja. Und wirklich, nachdem wir am Vormittag schon den Ballon der Briten gesehen hatten, fanden wir auch bald den unseren und hatten sogar Funkkontakt mit den beiden Piloten. Weiter ging es durch eine tolle Landschaft auf einer Straße, wo jedem Motorradfahrer die Tränen kommen (100km nur Kurven!). Am Abend erreichen wir dann Avignon, wir suchen uns ein Hotel und etwas zu essen.
Eigentlich war der Plan, dass die beiden Piloten mit dem Ballon am Morgen an die Mittelmeerküste kommen, dann höher in den Westwind steigen und bei Pisa wieder auf italienisches Festland treffen. Aber daran halten sie sich natürlich nicht. Noch beim Essen erhalten wir einen Anruf, dass sie nur mehr 1,5 Stunden von der Küste weg sind. Und sie wollen wissen, in welche Höhe sie gehen sollten, damit sie die richtige Richtung fahren. Sie müssen sich entscheiden: ganz oben gehts nach Korsika und weiter nach Italien, in der Mittelschicht nach Sardinien und darunter nach Tunesien. Aber das sollten sie aus alle Fälle vermeiden, weil das nicht mehr Wettbewerbsgebiet ist.

Also schauen wir morgen weiter, wofür sie sich entschieden haben!
Live-Tracking unter www.gordonbennett2014.org/spip.php?page=live-tracking

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